Oh Island(s) in the sun…!!

 


Nachdem unser Urlaubsziel Kroatien feststand, und ich schon einige enthusiastische Flieger­berichte gelesen hatte, wollte ich unbedingt einen Flug dort unternehmen. Über das Internet, speziell eddh.de, hatte ich nach Adressen gefischt und bekam so  schon vor meinem Kroatien­aufenthalt Kontakt mit Ljubisa Maric, und mit seiner Hilfe zum Aeroclub von Rijeka. Telefonisch wurden dann Preise und Verfügbarkeiten von Flugzeugen besprochen.

Dienstag, der 17. 08.2004 9:00 Uhr lokal. Da stehe ich also, auf dem Flugplatz Grobnik, direkt an der Formel 1 Rennstrecke. Einige Motorräder, die sich lautstark mit Trainings- oder Testfahrten beschäftigen sorgen für stilechte akustische Untermalung. Ich finde Lary, meinen Safety Piloten, auf der Terrasse der Flughafenkneipe. Er ist bereits sehr beschäftigt. 2 Handys und mehrere Leute, die Kroatisch auf ihn einreden werden von ihm verwaltet.

Ein Magnet der Vereinseigenen C172 ist wohl feucht geworden und bereitet dem Piloten der sie gleich fliegen soll Kopfzerbrechen. Nebenher telefoniert er noch und entschuldigt sich dann seufzend bei mir, er sei die ganze Woche über mit Leitung des Vereinsbetriebs betraut, weil der eigentlich zuständige Mensch eben auch mal Urlaub braucht.

Nun bin ich ja ebenfalls im Urlaub und nicht auf der Flucht. Deshalb setze ich mich entspannt zu einem Cappuccino und schaue mir die von Lary mitgebrachten Aeronautical Charts der Kvarner Bucht an. Als er endlich Zeit für mich findet, planen wir gemeinsam einen etwa 3 stündigen Flug von Rijeka nach Westen entlang der Kroatischen Grenze, dann nach Süden, die Küste von Istrien hinab, einen Touch and go in Vrsar und eine Zwischenlandung auf Unije. Danach soll's zum Insel-sightseeing Nordwest über Pag, Rab und Krk, hinüber ans Festland gehen, und an den Stränden von Crikvenica wieder nach Norden Richtung Grobnik.

Nachdem ich erfahre, dass beim Aeroclub alle ohne Headset fliegen und nur Mikro und Lautsprecher verwenden, bitte ich Lary den Funkverkehr zu übernehmen. In einem fremden Land, in einem unbekannten Luftraum und dann noch versuchen, aus dem vom Motorenlärm übertönten Gequake des Lautsprechers irgendwelche Anweisungen zu entziffern…nee Danke!

 

Die C172 ist belegt, also ziehen wir eine betagte aber gut erhaltene Reims Cessna 150 aus dem Hangar. Teilweise sind die Beschriftungen im Cockpit sogar in Deutsch, die Maschine war wohl früher einmal in Deutschland oder Österreich registriert. Es gibt auch eine schön laminierte Checkliste, die ist allerdings in Kroatisch und so muss Lary mir soufflieren.­­

Die Tanks sind dreiviertel voll aber wir hätten es gern ganz gefüllt, also muss noch ein Tankstopp in Rijeka eingeplant werden.

Nach weiteren kleineren Vorbereitungen, wie Scheiben putzen und Öl einfüllen, rollen wir schließlich zur 27 von Grobnik. Es gibt irgendein Kauderwelsch im Funk und mein Safety Pilot erteilt mir "Startfreigabe".

Zum Glück sind wir beide keine Schwergewichte und auch das übliche Gedöns im Gepäckfach, wie Erdanker, Towbars, Abdeckplanen usw. fehlt. Wohl deshalb beschleunigt unsere 9A-DAJ halbwegs passabel die 27 hinab. Nachdem wir in der Luft sind muss ich mich erst mal an den Meilen Fahrtmesser gewöhnen. Wir steigen mit ca. 400ft/min bei 70Kts. Die umgebende Gebirgslandschaft und eine Hochspannungsleitung davor lassen mich hoffen, dass das auch so bleibt.

In einer leichten Linkskurve steigen wir weiter mit maximaler Leistung um die Bergkuppen herum nach Süden. Bei 2500ft leveln wir aus und sind dabei schon über der Küste mit einem grandiosen Blick über Rijeka Stadt und die Hafenanlagen. Lary funkt –ab jetzt in Englisch- und wir bekommen einen Direktanflug auf die 14. Die Landung gerät etwas seltsam, weil sich Larys –Airliner-3-Grad-Schleppgastechnik- stark von meiner –Grasplatz-Gas-raus-Habichtlandetechnik- unterscheidet. Er kennt mich und meine fliegerischen Fähigkeiten ja nicht und so landen wir irgendwie "zu zweit". Die Landung wird trotzdem weich und weil es schließlich "sein" Flieger in seinem Land ist akzeptiere ich das. Bei allen folgenden Landungen wird es ähnlich werden, jedoch ohne der Sicherheit oder dem Spaß abträglich zu sein.

Wir Rollen also auf das Vorfeld von Rijeka International und wie es scheint sind wir heute Mittag der einzige Verkehr weit und breit. Ein Tankwagen aus den 60ern fährt vor und belädt unsere kleine Blechbüchse mit der unglaublichen Menge von 26 l Avgas.

Der darauf folgende Kostenrechnungs- und Quittungsformular- Papier­krieg inklusive Barzahlung dauert mindestens doppelt so lange wie der Tankvorgang und wir beide sind uns sicher, bei einer 747 hätte das auch nicht länger gedauert. Der AIS-Mann ist ein Bekannter von Lary und so werden wir nach der akribischen Aufgabe von unseren 2 Flugplänen noch zu einem Kaffee eingeladen.

Frisch gestärkt rollen wir etwas später zum Start. Diesmal auf die 32, weil uns das bequemer ist und wir nach wie vor der einzige Verkehr sind.

Der Start auf der 2500m Piste ist kein Problem und wir steigen hinaus in die Kvarner Bucht Richtung Westen. Unsere Zielhöhe liegt diesmal bei 5000ft weil wir den 1400m hohen Gebirgszug südwestlich von Opatia überfliegen wollen. Die Luft über dem Meer ist ruhig und wir geniessen die Aussicht. Kurz vor erreichen des Gebirgszuges sind  wir auf unserer geplante Flughöhe und gehen direkt nach der Überquerung wieder in den Sinkflug auf 2500ft. Leanen ist also nicht nötig heute. Es empfängt uns eine abwechslungsreiche Hügellandschaft mit allerlei Buschwerk und voraus das Städtchen Buzet. Nun bin ich als Südwestdeutscher den Anblick von Zeugenbergen ja gewohnt, aber gleich eine ganze Stadt auf den Berg gequetscht ist bemerkenswert. Wir fliegen einen obligatorischen "360" für die obligatorischen Photos und bewegen uns weiter Richtung Westen. Das gleiche Schauspiel wiederholt sich, noch etwas dramatischer, in Motovun. Als wir den Vollkreis beenden ist im Westen schon die Küste von Istrien zu sehen. Wieder über dem Wasser, drehen wir nach Süden ab, entlang  der Strände und Buchten. Der Blick auf die versammelten Urlaubsträume von oben ist atemberaubend. Da sind die vielen Boote und Yachten, die einen Schweif aus weißer Gischt hinter sich herziehen, smaragdgrüne Buchten, Touristenstrände mit wild wedelnden Jetskifahrern und malerische Städte. Man könnte glatt ins schwärmen geraten, insbesondere wenn dann noch im Hafen von Porrec ein großes Segelschiff vor Anker liegt und auf das perfekte Photo wartet.

Damit es auch was zu fliegen gibt, verlassen wir unsere FIS Frequenz und melden uns bei Vrsar Airport für den Touch and go. Nach der Landung drehen wir für ein paar  Minuten nach Osten um dem malerischen Fjord  Limski Zaljev zu folgen. Wieder an der Küste Bewegen wir uns auf  Rupa zu. Es schnarrt und krächzt aus dem Lautsprecher, wir Stellen unsere Blechbüchse auf den kopf und stürzen uns von 2000 auf 1000ft hinunter um aus der Anfluglinie eines Airliners zu kommen. Der ist noch ziemlich weit weg und die Anweisung vielleicht ein wenig übertrieben, aber Controller ist Controller und Anweisung ist Anweisung. Ich beglückwünsche mich einmal mehr zu dem Entschluss, Lary das altertümliche Funkgerät überlassen zu haben. Ohne Headset würde ich hier niemals auch nur in die Platzrunde starten. Für diese Art von Purismus fehlen mir Nerven und Verständnis.

Wieder über der Adria bekommen wir eine Freigabe auf 2500ft. Unter uns wimmelt es von Booten und außerdem sorgen die 2 Schwimm­westen hinter den Sitzen für ruhige Nerven.

Nach wenigen Minuten ist bereits Unjie in Sicht. Lary hatte mich auf die horrenden Landegebühren (ca. 18€) aufmerksam gemacht, aber ich will mir den Spaß nicht entgehen lassen und so bin ich gespannt was uns erwartet.

Wir schweben vom Meer her über den Kiesstrand auf eine Piste, für die das Wort Kartoffelacker noch geschmeichelt scheint. Ich bin ja nun einiges gewohnt von diversen Segelfluggeländen auf der Schwäbischen Alb, aber DAS ist echtes Buschfliegen.

Minimalfahrt, volle Klappen, RRUMMS!! Prima, nur ganz leicht geschoben beim Aufsetzen. Unsere Cessna rollt mit durchgezogenem Höhenruder auf die Parkfläche direkt in Verlängerung der Piste und gesellt sich zu den beiden anderen Flugzeugen, die dort abgestellt sind. Eins davon ist eine Katana mit deutscher K- Zulassung.

Ich habe wirklich Glück, denn es ist wohl gerade Siesta und kein Mensch weit und breit, so dass ich das Geld für die Landegebühr in ein leckeres Mittagessen  investieren kann. Beim Aussteigen ist es quasi unmöglich die Flächendeckenden Hinterlassenschaften der eigentlichen Bewohner dieses spärlich bewachsenen Feldes zu meiden (Ziegenmist). Mann bin ich froh, dass ich das Flugzeug nachher nicht putzen muss!

Wir wandern (es gibt keine Autos auf dem Mini-Eiland) die 500m bis zum Dorf über Feldwege, vorbei an Brombeerhecken aus denen neugierig einige Ziegen die Köpfe strecken. Das Dorf liegt an einer kleinen Bucht, im kristallklaren Wasser dümpeln einige Yachten und ich denke schon seit dem Anflug, ich bin in einem Werbespot für hochprozentige Spirituosen gelandet. "living life the easy way…"

Wir gönnen uns ein paar Meeresfrüchte in einer Hafenkneipe und ich erfahre den Grund für Larys leicht autoritäre Ader im Cockpit. Ich habe einen echten Theaterregisseur und angehenden Doktor der Dramaturgie neben mir sitzen. Er promoviert in Toronto (daher das akzentfreie Englisch) und sein Hobby ist die Präzisionsfliegerei (aha!) in nationalen und internationalen Wettbewerben (OKOK, ab jetzt keine neunmalklugen Piloten­weisheiten von mir mehr!). Ich fühle mich jedenfalls gut aufgehoben.

Es wird zeit für den Rückweg zur Ziegenweide, schließlich müssen wir unseren Flugplan einhalten. Es ist immer noch niemand da und so holpern wir die Piste hinunter und steigen hinaus Richtung Meer.

Zugegeben, Friedrichshafen liegt auch am Wasser und dort bekommt man für €13.- : ATC, 2086m besten Asphalt, einen Shuttlebus zum Terminal und eine top Infrastruktur geboten. Ich hätte jedoch ohne zu zucken die 18  Euro für den Ziegenacker bezahlt. Abzocke hin oder her, Unjie ist einfach ein Erlebnis!

Der Rest des Fluges ist eine Orgie der visuellen Eindrücke und wir fliegen und Fotografieren im gegenseitigen Wechsel die farbenfrohe Insellandschaft unter uns.

Es geht über Salin, dann Richtung Osten zur Insel Rab, vorbei an einer ehemaligen Gefängnisinsel (deren Namen ich nicht mehr weiß) und weiteren Sehenswürdigkeiten der Kvarner Bucht. Durch die Lage der Inseln ist die Navigation ein Kinderspiel.  GPS ist hier wohl echt ein überflüssiger Luxus. Es soll angeblich auch manchmal nicht funktionieren in der Gegend.

Über der Stadt Rab führt uns der Kurs wieder nach Norden zur Insel Cres. Die Landschaft unter uns wechselt ständig von Sandstrand zu Steilküste, von Yachthafen zu Mondlandschaft und wieder zurück. Als wir über der Südküste von Krk sind, drehen wir nach Osten, um aus der Anfluglinie von Rijeka zu kommen. Unser "Funk­sprechgerät" nimmt sich eine Auszeit aber Lary telefoniert stattdessen mit Rijeka Tower. Hoch lebe die moderne Telekommunikation!

Es geht die Küste hinauf und über Dramalj, meinem Feriendomizil, dreht Lary noch eine Runde, damit ich Fotografieren kann. Der Sprit wird langsam knapp und wir müssen zurück. Etwas im Norden kommen die Raffinerieanlagen von Rijeka mit ihren riesigen Abgastürmen in Sicht. Unsere Cessna pflügt noch durch deren Rauchschwaden, während wir uns schon nach der Landerichtung in Grobnik erkundigen (die "Funke" tut's wieder). Wir bekommen die 09 und landen lang, mit leichtem Rücken­wind.

Es kommt das Übliche: Flieger ausräumen, einhallen, abrechnen. Ich verabschiede mich von Lary, der schon wieder von einer auf ihn einredenden Menschentraube umgeben ist und fahre zurück über die Berge nach Dramalj. Die frische Erinnerung an einen unglaublich tollen Flug und einem festen Vorsatz im Gepäck:

 Ich komme wieder!!

 

 

Anmerkung: dem geneigten Leser wird aufgefallen sein, dass ich ständig vom Fotografieren berichte, hier aber nur Text zu finden ist. Das kommt daher, weil die SD Card meiner Digicam unmittelbar nach diesem Flug kaputtging. Sämtliche Rettungsversuche inklusive Beauftragung einer Spezialfirma zur Datenrettung blieben erfolglos. Ich habe ALLE Aufnahmen verloren!


©Peter Barthold im September 2004

www.fly-croatia.net